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Stellenabbau bei Novelis in Koblenz

Wende bei Novelis? Hoffnung für 197 Jobs in Koblenz

Im Ringen um den angekündigten Stellenabbau beim Aluminiumhersteller Novelis in Koblenz zeichnet sich aus Sicht der IG Metall eine Lösung ab, die ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen könnte. Bis Ende Mai soll ein Gesamtkonzept stehen, das die geplante Reduzierung der Belegschaft sozialverträglich abfedert – und zugleich die Interessen des Arbeitgebers berücksichtigt.

Novelis hatte im September 2025 angekündigt, am Standort Koblenz bis zu 197 Stellen streichen zu wollen. Für die rund 1.400 Beschäftigten blieb seitdem lange unklar, wie tief der Einschnitt tatsächlich ausfällt und welche Folgen er für einzelne Bereiche haben könnte. Nun berichten Arbeitnehmervertreter von Bewegung in den Gesprächen.

Bis Ende Mai soll ein Gesamtkonzept stehen

Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, spricht von einer Entwicklung, die „sehr gut“ aussehe. Das Ziel, Kündigungen zu vermeiden und die Entgelte der Beschäftigten zu sichern, sei „greifbar nah“. Zugleich macht die Gewerkschaft deutlich: Ein Abschluss ist noch nicht erreicht, zahlreiche Punkte müssten weiter verhandelt und abschließend fixiert werden.

Gerade dieser Zwischenstand ist für den Standort entscheidend. Denn ob ein Stellenabbau am Ende über Kündigungen umgesetzt wird oder über verhandelte, sozial abgefederte Wege, hat erhebliche Konsequenzen – für die Betroffenen ebenso wie für das Betriebsklima und die langfristige Bindung von Fachkräften. Nach Angaben der IG Metall verlaufen die Gespräche derzeit „äußerst konstruktiv“.

Sozialverträgliche Instrumente sollen Kündigungen vermeiden

In der Verhandlung stehen nach Darstellung der IG Metall mehrere Instrumente im Mittelpunkt, die in Umstrukturierungen typischerweise eingesetzt werden, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden:

  • Ein Baustein sind Freiwilligenprogramme. Dabei können Beschäftigte das Unternehmen gegen eine Abfindung verlassen. Für den Arbeitgeber kann das eine planbare Reduzierung schaffen; für Beschäftigte kann es – je nach Konditionen und persönlicher Lebenslage – eine Alternative sein, die den Übergang in eine neue Beschäftigung oder in eine andere Lebensphase finanziell absichert.
  • Hinzu kommen Modelle der Altersteilzeit, die einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen. In solchen Konstruktionen sinkt die Arbeitszeit, während Aufstockungen und Regelungen zur sozialen Absicherung die Einkommenslücke begrenzen sollen. Für den Betrieb kann das Personal abbauen, ohne dass der Schritt über Kündigungen gehen muss.
  • Als weiterer Hebel wird eine Reduzierung der Arbeitszeit genannt, um vorhandene Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Yener betont: „Auch das wäre ein Weg, wie man Arbeitsplätze in der Region halten und sichern kann.“ In der Praxis hängt die Wirksamkeit solcher Modelle allerdings davon ab, ob die Produktions- und Schichtplanung das trägt – und ob die finanziellen Auswirkungen für die Beschäftigten durch flankierende Vereinbarungen abgemildert werden können.

Für den Standort bleibt die Umsetzung der entscheidende Punkt

Betriebsbedingte Kündigungen wären für die Belegschaft die schärfste Variante des Personalabbaus: Sie setzen voraus, dass Arbeitsplätze aus betrieblichen Gründen wegfallen und – soweit das Kündigungsschutzrecht greift – eine belastbare Begründung sowie eine korrekte soziale Auswahl vorgenommen werden. Dass IG Metall und Betriebsrat weiterhin darauf drängen, diese Option auszuschließen, ist deshalb nicht nur ein symbolisches Ziel, sondern ein zentraler Schutzmechanismus für die Beschäftigten.

Seit der Abbauankündigung hatten Betriebsrat und IG Metall auf Lösungen zur Standortsicherung gedrängt und einen Zukunftstarifvertrag gefordert. Solche Rahmenwerke zielen in der Praxis darauf, Beschäftigung über einen festgelegten Zeitraum zu stabilisieren und Anpassungen über Qualifizierung, Arbeitszeitmodelle oder andere Instrumente zu steuern, statt über kurzfristige Entlassungen.

Ob das in Koblenz gelingt, bleibt an messbare Bedingungen geknüpft: Reichen Freiwilligenprogramme und Altersteilzeit aus, um die Größenordnung von bis zu 197 Stellen aufzufangen? Welche Spielräume bestehen bei Arbeitszeit und Entgelt – und welche Zusagen kann das Unternehmen im Gegenzug zur Standortsicherung geben? Bis diese Fragen verbindlich beantwortet sind, bleibt es bei einem vorsichtigen Optimismus.

Der entscheidende Fortschritt liegt derzeit darin, dass beide Seiten nach Darstellung der IG Metall an einem gemeinsamen Konzept arbeiten, das den Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auffangen könnte. Bis Ende Mai soll sich zeigen, ob aus den positiven Signalen eine belastbare Vereinbarung wird.

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